Hamburg, 7. Juli 2017: #BlockG20 – colour the red zone!

Mit dem mutigen und rebellischen Geist der Vielen das Spektakel der Mächtigen blockieren.

Wir werden da sein. Dort, wo die Rote Zone ist. Wo wir nicht sein dürfen. Wo die Mächtigen sind. Der G20-Gipfel in Hamburg wird Geschichte schreiben. Es wird unsere Zeit sein. Wird es auch Deine werden?

Der G20 ist ein Gipfel der Despoten, der Herrschenden und ihrer Buchhalter. Sie haben den Ausnahmezustand über uns längst beschlossen. Wir beschließen die Aufhebung ihrer Ordnung. Das G20-Treffen besetzt die Stadt. Mitten in Hamburg kommen am 7. und 8. Juli 2017 die Oberhäupter der 19 reichsten und mächtigsten Staaten der Welt zusammen. Die EU ist auch dabei. Sie wollen ihre Krisen beratschlagen: die Zukunft des globalen Kapitalismus. Trump gegen Merkel? Daneben Erdogan, Xi Jinping, Modi, Temer, natürlich Putin und all die anderen – es geht um einen neuen Deal. Wer kriegt was, wie können sie profitieren und vor allem: Wie können die Verlierer, die anderswo für diese monströse Ungleichheit bezahlen, daran gehindert werden, an unsere Türen zu klopfen?

Das sind nicht unsere Sorgen, das ist nicht unser Big Deal. Die globale Ungerechtigkeit ist die Wurzel allen Übels in dieser Welt. Der Hunger, die Armut, die Klimakatastrophe, die zerstörte Umwelt, die Kriege, die Flucht. Es ist ihr Chaos und das wollen sie in Hamburg verhandeln. Uns wird gesagt, dass der freie Westen gegen den Terror des islamistischen Kalifats zusammenstehen muss. Aber wir lassen uns nicht weiter belügen. Wir sind als freie und gleiche Menschen die unversöhnlichen Feinde aller Fundamentalismen. Mit uns und in unserem Namen ist kein Terror zu legitimieren. Wenn wir den Terror fundamentalistischer Gotteskrieger zurückweisen, so stellen wir auch den kapitalistischen Marktfundamentalismus in Frage.

Der G20 nimmt eine Stadt in Geiselhaft. Die Menschen in Hamburg reden nur noch darüber, dass sich ihre Stadtviertel in eine Hochsicherheitszone verwandeln. Kaum einer kann dann noch nach Hause, der Weg zum Bäcker wird von Scharfschützen begleitet. Die Gipfel-Teilnehmer*innen schließen sich ein, denn sie trauen ihrem Wahlvolk schon lange nicht mehr. Mit NATO- Stacheldraht, mit Betonklötzen und einer Armada von Polizei-, Militär- und anderen sogenannten Sicherheitskräften trifft sich die »freie Welt«. Na danke! Allein deshalb ist für uns und viele andere jetzt schon klar: G20 – not welcome!

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BlockG20-Aktionsbild: Den Gipfel stören, die Stadt zurückerobern

Hamburg, 7. Juli: Der Tag der widerständigen und ungehorsamen Massenaktion zur Roten Zone

Vorstellung unserer Aktion und des dazugehörigen Aktionsbilds am ersten Tag des G20-Gipfels. Der Text wurde unter Beteiligung zahlreicher Gruppen und Strömungen auf zwei Treffen der Aktions-AG zur Roten Zone im Januar und Februar 2017 entworfen, diskutiert und konsensual verabschiedet. Er soll all denen, die sich an unserer Aktion beteiligen werden, als Bezugsrahmen und zur Orientierung dienen.

Im Ausnahmezustand: Die G20 besetzen die Stadt

In der Hamburger Innenstadt kommen am 7. und 8. Juli 2017 die Staats- und Regierungschef*innen der 20 reichsten und mächtigsten Staaten der Welt (einschließlich der EU) zusammen, um über die Zukunft des globalen, imperialen Kapitalismus zu beratschlagen. Große Teile in Hamburgs Zentrum (Karo­linienviertel, St. Pauli) werden vor den Anwohner*innen und Kritiker*innen in Hochsicherheitszonen verwandelt, was nichts anderes heißt, als dass die Gipfel-Teilnehmer*innen sich verbarrikadieren, mit NATO-Stacheldraht umzäunen, mit Betonklötzen zumauern und eine Armada von Polizei-, Militär- und anderen sogenannten Sicherheitskräften auffahren werden. Deshalb ist für uns und viele andere klar: »G20 – not welcome!«

Die G20 repräsentieren uns nicht!

Sie werden »Lösungen« für globale Probleme präsentieren, die nicht funktionieren können, weil sie selbst und ihre Wirtschaftssysteme die Ursache für eben diese Probleme sind: für Wirtschaftskrisen, Hunger, Flucht, Klimawandel, Kriege und Terrorismus. „Die Mitgliedstaaten der G20 repräsentieren zwei Drittel der Weltbevölkerung“, wird uns gesagt. Sie hätten deshalb eine starke Legitimation. Wir halten dagegen: Nein – die Trumps, Erdogans, Merkels, Putins und Temer dieser Welt repräsentieren uns nicht. Sie repräsentieren lediglich den globalen, imperialen Kapitalismus. In der vermeintlichen Alternativlosigkeit zwischen neoliberaler Kapitalverwaltung vs. autoritären, nationalistischen und rassistischen Krisenlösungen wählen wir das einzig Richtige: globale Solidarität, offene Grenzen und die Rebellion von unten!

Breite Beteiligung und breite Legitimation: Ungehorsame Massenaktion

Wir wollen eine angekündigte, regelüberschreitende Aktion vorbereiten und durchführen. Was wir tun werden, ist nicht unbedingt und immer legal, aber transparent für diejenigen, die sich beteiligen wollen. Und obwohl die Beteiligung an dieser Aktion deshalb auch ein Risiko mit sich bringt, wollen wir sie so organisieren, dass sich alle, die sich daran beteiligen wollen, das auch tun können. Dafür wollen wir eine für die Einzelnen und die Bezugsgruppen kalkulierbare Situation und Stimmung schaffen, die kreative Ausdrucksmöglichkeiten bietet und gleichzeitig für alle übersichtlich bleibt. Deshalb werden wir belastbare Absprachen mit den Menschen treffen, die weitere Aktionen vorbereiten, die vorher, nachher oder auch gleichzeitig an anderen Orten stattfinden. Unsere Aktion soll vielen Menschen zugänglich sein, damit wir an diesem Tag Tausende sein werden! Wir wollen ein öffentliches Bild dieser Aktion schaffen, das der breiten Öffentlichkeit und natürlich auch den Anwohner*innen vermittelbar ist.

Zur Roten Zone strömen – unsere Gegenentwürfe präsentieren

Ganz Hamburg wird auf den Beinen sein. Wir freuen uns und sind solidarisch mit allen, die unsere Kritik an den G20 teilen und den Tag mit vielfältigen Widerstandsformen, unter den wir keinen Alleinvertretungsanspruch erheben, mitgestalten werden. Unterschiedliche Gruppen planen bereits Straßenfeste mit Konzerten, die Einbeziehung und den Austausch mit Anwohner*innen, mit in luftigen Höhen schwebenden Heliumballons die rebellischen Viertel zu markieren, die Logistik des Kapitals lahmzulegen, dezentrale Aktionen und andere vieles mehr. Unser Beitrag zur praktischen Kritik am Gipfeltreffen wird eine Massenaktion am Ort des Geschehens sein. Wir laden alle ein, mit uns in Kontakt zu treten und sich daran zu beteiligen:

Wir werden uns gemeinsam mit Zehntausenden die Straßen im Herzen Hamburgs wieder aneignen. Anwohner*innen werden zusammen mit Aktivist*innen aus vielen verschiedenen Ländern das Gipfel­treffen blockieren. Wir werden uns in mehreren Fingern oder vergleichbaren Strukturen organisieren, autonom handelnd und doch koordiniert. Wir werden aus allen Richtungen auf die Orte des Gipfel­treffens zuströmen, auf die Messehallen, auf das Rathaus und die Elbphilharmonie, kurz: auf die rote Zone, die für das Treffen abgeriegelt wird. Wo uns die Polizei daran hindern will, finden wir andere Wege zu unserem Ziel. Wo es nötig sein wird, werden wir Hindernisse überwinden und ggf. Polizei­ketten durchfließen. Wir gehen so weit wir kommen. Schon auf unserem Weg zeigen wir unsere linken, gesellschaftlichen Gegenentwürfe auf, mit vielfältigen und kreativen Formen wie Raves, Versammlun­gen und der Aneignung von öffentlichem Raum und Leerstand. Wir behalten uns vor, über Nacht zu bleiben.

Die Inszenierung der Macht stören

Viele von uns werden sich in zahlreich stattfindenden Aktionstrainings auf diese Aktion vorbereiten. Unser Ziel ist es, den reibungslosen Ablauf des Gipfels spürbar zu stören. Gemeinsam erobern wir uns die Stadt zurück, zusammen umzingeln, stören und blockieren wir ihre selbstgerechte Inszenierung als Forum der Weltenretter. Denn sie sind die Brandstifter. Wir setzen sie fest, weil ihre Grenzen Millionen Menschen und ihre Hamburger Gitter einer ganzen Stadt die Bewegungsfreiheit nehmen. Das Wort »Zufahrtswege« wird es an diesem Tag nur in Verbindung mit dem Wort »verstopft« geben.

Unsere Aktionsform sind angekündigte Massenblockaden, die aus Menschen bestehen werden, sowie Materialblockaden. Kreative Hilfsmittel wie Großpuppen, Absperrbänder, Luftmatratzen, Fahrrad-Tandems, Einkaufswägen, Banner, Regenschirme etc. werden dabei zum Einsatz kommen. Wir werden dabei der Selbstinszenierung der Macht die Bilder eines kreativen und bunten Widerstands entgegen­setzen. Viele von uns werden ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit durch körperschützende Materialien verteidigen. Von uns wird dabei keine Eskalation ausgehen. Wir werden laut sein, auch stellvertretend für diejenigen, die nicht in Hamburg sein können.

Kontinuität und Vielfalt des Widerstands

Viele von uns nehmen zum ersten Mal an einer massenhaften Aktion des Ungehorsams teil. Manche waren bei den Baggerbesetzungen in den Braunkohletagebauen Jänschwalde oder Garzweiler dabei oder haben sich an den Massenprotesten gegen TTIP beteiligt. Einige engagieren sich seit vielen Jahren in Stadtteilinitiativen oder sind antifaschistisch aktiv. Andere waren Teil der Bewegungen der Plätze wie die 15M in Spanien, auf dem Syntagma-Platz in Athen und wieder andere haben an der Revolte im Gezi-Park in Istanbul teilgenommen oder an den Blockupy-Aktionen. Unsere Hintergründe sind verschieden. Wir sind Gewerkschaftler*innen, Auszubildende, Studierende, Beschäftigte, prekäre Selbständige, Erwerbslose und Rentner*innen. Wir sind Menschen mit und ohne Fluchterfahrung oder Aufenthaltsstatus. Wir werden unsere Aktion gemeinsam so gestalten, dass all unsere Unterschiedlichkeiten unsere Stärke sind.

In diesem Sinne: Meutern, Entern, Kapern. G20 über Bord!

BlockG20 – colour the red zone!